30.01.2008

Überschwenglich

Dem aber, der überschwenglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Epheser 3,20-21


Leute aus unserer Gemeinde haben ein Baby bekommen. Es war eine schwierige Geburt, das Baby hatte einen längeren Herzstillstand und hing tagelang zwischen Leben und Tod. Alle Prognosen sagten, dass das Kind sicher einen schweren Hirnschaden hat. Das Gehirn war einfach zu lange ohne Sauerstoff. Es hieß, das Kind würde sehr wahrscheinlich nie laufen können. Es hieß sogar, dass es vielleicht auch nie sprechen können würde, und dass es vielleicht noch nicht einmal alleine essen können würde.

Wir haben für das Baby und die junge Familie gebetet. Und wir haben wohl um Heilung gebetet, aber wir alle haben uns doch eher darauf eingestellt, dass wir nun eine Familie mit einem schwerstbehinderten Kind unter uns haben. Ich empfand es als vermessen, Gott darum zu bitten, dass das Kind ganz gesund wird. Ich wollte keine falschen Hoffnungen wecken – nicht bei den Eltern und bei mir selbst auch nicht.

Doch der Kleine wachte auf, schaute mit großen Augen in der Welt herum und fing auch langsam an, alleine zu trinken. Dann wurde sein Hirn durchleuchtet, um zu sehen, wie geschädigt es ist. Und siehe da: es war völlig in Ordnung. Der kleine Kerl hat tapfer alle Untersuchungen über sich ergehen lassen. Er hat sich mächtig ins Zeug gelegt und es allen gezeigt. Heute gilt er als völlig gesund!

Ich hätte das nicht für möglich gehalten. Genauso wenig wie es die Ärzte für möglich gehalten hatten. Umso größer ist nun die Freude – und das Staunen über einen Gott, der eben doch eine Macht hat, die größer ist als das, was ich für möglich halte.

Mir hat diese Geschichte einmal mehr gezeigt, dass ich es mit einem Gott zu tun habe, der real ist, der mächtig ist und der souverän handelt. Gott ist in seinem Handeln nicht auf meine Gebete angewiesen. Dafür sind die viel zu schwach und zu bescheiden. Gott sieht selbst, wo er eingreifen muss, und das tut er auch. Gott greift tagtäglich unzählige Male in die Welt ein, in den allermeisten Fällen ohne dass ich davon überhaupt etwas mitkriege.

So sichtbar wie an diesem Baby ist Gottes Handeln ja nur selten. Meistens ist es für meine Begriffe ganz unspektakulär. Oder es ist mir komplett verborgen, weil es einfach mein Verstehen übersteigt. So wie das Schaf, das mitten in der Herde läuft, nicht erfährt, wie der Hirte rundherum arbeitet, um Wege freizuräumen und Feinde abzuwehren.

Hier ist der Punkt, an dem deutlich wird, dass Gott nicht etwas ist, was ich mir nur ausgedacht habe. Gott ist kein Produkt der Phantasie, das uns Menschen nur darüber hinwegtrösten soll, dass die Dinge nicht so sind, wie wir sie gerne hätten. Und wenn ich bete, dann ist das nicht bloß eine spirituelle Übung, nach der ich mich besser fühle. Sondern wenn ich bete, trete ich in Verbindung mit diesem starken, lebendigen Gott, der die ganze Welt geschaffen hat und der aktiv und mächtig in diese Welt eingreifen kann.

Die Art und Weise, wie er das tut, sprengt alle meine eigenen Vorstellungen. Gott antwortet nicht nur auf meine Gebete. Er tut mehr als das, worum ich ihn bitte. Nicht ich sage Gott, was er meiner bescheidenen Meinung nach tun soll, sondern Gott nimmt mich mit hinein in sein Wirken und lässt mich immer wieder sehen, wie mächtig der wahre Herr der Welt ist.

Dafür will ich Gott danken und ihn ehren. Und ich will noch mehr darauf achten, seine Macht zu sehen. Ich will auch mehr damit rechnen, dass er Dinge tut, die ich nicht für möglich halte. Vielleicht auch an Orten, an die ich gar nicht denke. Oder in Menschen, in denen ich es gar nicht erwarte. Oder womöglich in mir selbst – auch da kann Gott Veränderungen schaffen, die ich nicht für möglich halte – für die zu beten ich mich vielleicht gar nicht traue.

Ich will gespannt sein, wo und wie ich Gottes Handeln als nächstes erlebe. Und ich möchte Gott darum bitten, mir Augen dafür zu geben, es zu sehen.

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