29.01.2008

Geiz ist geil !

Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht.
Psalm 119,36


„Geiz ist geil!“, dieser Werbespruch hat sich in vielen Köpfen festgesetzt. Dahinter verbirgt sich etwas ganz und gar Unmögliches, nämlich Geld zu sparen, indem man es ausgibt. Der Werbespruch soll nur den Konsum fördern. Die Schnäppchen-Angebote locken Kunden in die Läden.

„Geiz ist geil!“ ist das ganze Gegenteil von dem, was in der Losung steht. Der Beter des 119. Psalms bittet um Bewahrung vor der Habsucht. Was haben Habsucht und Geiz miteinander zu tun? Nun, sie sind die zwei Seiten einer Medaille: Die eine ist die Gier nach Reichtum, die andere ist übertriebene Sparsamkeit. Die Grundbedeutung dieses Wortes ist das Mehr-haben-wollen, was auch zu einem Streben nach mehr Macht und Einfluss führt. Und was man hat, gibt man nicht wieder her. Man gibt sich nicht zufrieden, sondern ist immer auf der Suche nach „mehr“. In den Lasterkatalogen des Neuen Testaments (wie z. B. Rö. 1,28f oder 1. Kor. 6,10f) ist Habsucht Kennzeichen eines Lebens ohne Gotteserkenntnis. Ein Habsüchtiger kann nicht in das Reich Gottes kommen. Habsucht und all ihre Verwandten wie Geiz, Geldgier, Gewinnsucht, Habgier versperren den Weg. Habsucht beschreibt eine total gegensätzliche Lebensweise zu einem Leben mit Gott.

So stellt der Vers „Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht“ die ernsthafte Frage nach unseren Bindungen. Wem gehört dein Herz? Der Psalm 119 ist ein Zeugnis echten Glaubens. Er ist ein einziges Loblied auf das Gesetz. Gemeint ist das religiöse Gesetz der Juden, die Tora. Für uns Christen entspräche dem Loblied auf das Gesetz das Loblied auf Christus selbst. Die Tora ist als Gottes lebendiges Wort Inbegriff des Lebens. Sie ist eine Macht, die das Leben ermöglicht und schützt. Deshalb hat die Frömmigkeit des Beters nichts mit starrer Gesetzlichkeit zu tun, sondern mit gelebtem Glauben. Er findet viele verschiedene Begriffe für das Gesetz, um es zu würdigen: Gebot, Wort, Weg, Weisung, Satzung, Befehl, Ordnung, Mahnung.

Auch die äußere Form des Psalms entspricht der Verehrung Gottes. Der Psalm ist in ein kunstvolles Schema gegliedert, in dem sich die Versanfänge nach der Reihenfolge des hebräischen Alphabets richten (alphabetisches Akrostichon). Da hat sich also jemand wirklich Mühe gemacht, seine Dankbarkeit gegenüber Gott auszudrücken. Da ist einer heilfroh, dass ihm das Gesetz eine Richtschnur für den Alltag bietet. Deshalb will er die Dinge des Lebens an Gottes Wort messen. Dazu gehört auch der Umgang mit dem Geld.

Im Hinterkopf haben wir Christen dabei den Satz Jesu, dass ein Mensch nicht zwei Herren dienen kann, Gott und dem Geld (Mt 6,24). Die Begründung dafür ist für mich einer der radikalsten Sätze in der Bibel überhaupt: „Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein“ (Mt 6,21). So, als dürften Christen gar nicht mit Geld umgehen, weil es ein Götze ist. So, als könnten betuchte Leute gar keine Christen werden, weil ihr Herz geteilt ist. Wer Geld hat, ist ein Gebundener. Stimmt das? Wer Geld hat, kann damit Gutes tun und viel mehr spenden als alle anderen. Wer Geld hat, kann trotzdem ein ganz bescheidener Mensch sein ... Aber – wer etwas hat, will es in der Regel behalten und nach Möglichkeit vermehren. Deshalb drehen sich seine Gedanken um den Besitz.

Das Thema „Geld“ kommt in der Bibel häufig vor. Dabei geht es in der Regel um einen verantwortlichen Umgang damit. Gott braucht unsere Gaben nicht, aber er hat den „fröhlichen Geber“ lieb (2.Kor 9,7). Hier bekommen wir eine Chance, aus der Geldfalle zu entfliehen. Wer geben kann, bietet dem Geiz die Stirn.

Ich gebe zu, ich hätte gerne einiges auf der „hohen Kante“. Ich würde mir auch ganz gerne etwas leisten, ohne darüber nachdenken zu müssen, was es kostet. Aber diesen Traum vom Wohlstand gebe ich gleich wieder auf, weil mir etwas noch wichtiger ist als finanzielle Sicherheit. Ich will mir meines Glaubens sicher sein. Ich will Gott gefallen. Ich will ihm Ehre machen. Ich will mein Leben auf ihn ausrichten und mich von ihm ausrichten lassen. Ja, Gott soll in mein Leben eingreifen, wie es in der Losung steht, indem er mein Herz zu sich neigt.

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