09.02.2008

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln.
Psalm 84,6


‚Hallo, wie geht’s?’ werde ich oft gefragt. Es gibt Tage, da weiß ich nicht so recht, was ich antworten soll. Weil ich vor lauter Anliegen, die zu bedenken, und Dingen, die zu erledigen sind, ein bisschen staune, dass es bis dahin überhaupt ging. Und im Blick auf das, was noch vor mir liegt, weiß ich nicht immer, wie es gehen soll.

Christen leben nicht auf einer Insel der Seligen. Die Hausarbeit erledigt sich nicht von selbst. Die Berufsarbeit kostet Kraft und Einsatz. Menschen, die uns begegnen, fordern heraus. Gemeindearbeit braucht solche, die nicht nur Kirchen und Häuser öffnen, sondern auch ihre Herzen. Es ist schön, dabei Freude mit anderen zu teilen. Wenn junge Eltern z. B. glücklich sind über die Fortschritte ihres Kindes. Jemand eine Prüfung bestanden hat. Die Zusage für einen Ausbildungs- oder Studienplatz gekommen ist. Ein Bibelvers ganz persönliche Bedeutung gewinnt. Gottes Fürsorge erfahren wurde. Es ist nötig, zuzuhören. Wenn’s im Betrieb nicht läuft. Wieder eine Absage eingetroffen ist und Hoffnungen zerstört sind. Wenn jemand Gottes Handeln nicht versteht, sein Vertrauen erschüttert ist.

Unsere Vorfahren hatten etwas Grundlegendes erkannt, wenn sie das Leben als ein mühevolles Unterwegssein, einen Pilgerweg, bezeichneten. Pilgerfahrten liegen zurzeit ja im Trend. Sie ermöglichen ganz neue Erfahrungen. Mit sich selbst und mit anderen. Ob als Auszeit oder sportliche Herausforderung, als Ausdruck persönlicher Sinnsuche: Pilgerwege sind wie Bilder des Lebensweges, gerade auch dort, wo sie anstrengend und mühsam sind. Denn das Leben ist kein sorgenfreier, ungehinderter Spaziergang. Verschiedene Etappen sind zu bewältigen, wie unterschiedlich Ausrüstung und Gepäck auch sein mögen. Sie kosten Kraft. Und manchmal geht es wie bei einer Wanderung im Gebirge, die ich vor Jahren mitging. Wir waren schon mehrere Stunden unterwegs. Der Weg wurde immer anstrengender. Abkürzungen gab es nicht. Da kamen wir an die Grenzen unserer körperlichen, zum Teil auch seelischen Kräfte und hatten nur einen Gedanken: Endlich ankommen!

Ich möchte Ihnen einen Ausschnitt aus einem Jahrtausende alten Pilgerlied vorlesen. Gesungen und gebetet, nachdem die Strapazen des Weges überstanden waren. Voller Dank schauen die Pilger auf ihren Weg zurück. Sie freuen sich, am Ziel zu sein. Gemeinsam Gottesdienst zu feiern und den lebendigen Gott anzubeten. Fröhlich singen sie: „Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln.“ In Psalm 84 Vers 6 können Sie es nachlesen. Da ist es auf den Punkt gebracht.

Ob Pilgerweg oder Lebensweg: Entscheidend ist, woher wir die nötige Kraft bekommen! Wir leben in einer Zeit mit vielfältigen Möglichkeiten und unterschiedlichsten Lebensentwürfen. Uns fehlen oft nicht die Ideen, sondern die Orientierung und die Kraft. Was wird heutzutage nicht alles empfohlen, wenn es um Kraft zum Leben geht?! Von Ernährungsratschlägen und Fitnessplänen über fernöstliche Meditationstechniken bis hin zu esoterischen Übungen. - Nichts gegen gesunde Ernährung und notwendige Bewegung. Die singenden Pilger von damals hatten eine andere Kraftquelle entdeckt. Sie priesen diejenigen glücklich, die Kraft schöpften aus der Beziehung zu Gott. Denen es am Herzen lag, ihn anzubeten. Die nicht auf sich selbst und ihre Reserven vertrauten, sondern darauf, dass Gott hilft, weil seine Möglichkeiten die unseren übersteigen. Wer in der Gegenwart Gottes auftanken will, muss sich auf Gottes Willen und Wege einlassen. Die sind nicht mühelos und leicht zu gehen, führen aber zum Ziel.

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