17.02.2008

Rattenfänger

Folgt nicht andern Göttern, ihnen zu dienen und sie anzubeten, und erzürnt mich nicht durch eurer Hände Werk, damit ich euch nicht Unheil zufügen muss.
Jeremia 25,6



Ich muss an die Geschichte vom Rattenfänger denken beim Bibelwort, das ich Ihnen heute vorlege aus Jeremia 25, Vers 6: "Folgt nicht andern Göttern, ihnen zu dienen und sie anzubeten, und erzürnt mich nicht durch eurer Hände Werk, damit ich euch nicht Unheil zufügen muss".

Dieser Mann versprach einer Stadt, die von einer Rattenplage heimgesucht wurde, sie gegen eine abgemachte Bezahlung von der Plage zu befreien. Dann zog er seine Flöte aus der Tasche und spielte so darauf, dass die Ratten aus den Häusern gekrochen kamen und sich um ihn sammelten. Er zog mit ihnen zur Stadt hinaus, stieg in den Fluss, und der ganze Haufe folgte ihm ins Wasser und ertrank.

Der Mann ist sprichwörtlich geworden für Menschen, die so reden können, dass die Massen ihnen folgen. So sind schon Völker den Schalmeienklängen von Populisten in den Untergang gefolgt.

Wir haben es seit den schlimmen Erfahrungen der jüngeren Geschichte weniger mit politischen Ideologien zu tun. Uns umgeben andere, harmlos erscheinende Stimmen. Eine ganze Werbeindustrie investiert Millionen, um uns auf attraktive Weise zu zeigen, was wir alles brauchen, um gesund und glücklich zu werden.

Was hat das eigentlich mit Gott zu tun? Gott verspricht, für uns zu sorgen. Ob es sich um Gesundheit handelt oder um Sicherheit oder um Glück: Gott will unseres Glückes Schmied sein. Freilich nicht im vordergründigen Sinn.

Die Ratten waren so gebannt von den Melodien, dass sie gar nicht merkten, wie sie in ihr Unglück liefen. Was in ihren Ohren so verlockend klang, führte sie in den Untergang.

Ganz anders Gottes Werbung. Ihm liegt nicht nur am angenehmen Augenblick, sondern an Nachhaltigkeit. Er hat Ewigkeitsgedanken mit uns. Für einen Schüler kommt es ja auch nicht nur darauf an, ob der Augenblick angenehm ist; sondern ob er die Prüfungen schafft, die ihm die Türen für seine Zukunft öffnen; eine Mutter nimmt die Schmerzen einer Geburt in Kauf, weil sie auf das Kind wartet, das die Schmerzen mehr als aufwiegt. Das Glück, das Gott für uns hat, besteht nicht nur im Augenblick und für einen Augenblick, sondern führt durch Prüfungen und manche Schmerzen zu einer umso tieferen Erfüllung.

Doch wem folge ich? Wem folgen Sie? Hören Sie auf seine Stimme und orientieren Sie sich daran? In Fragen der Gesundheit, der Lebensgestaltung? In finanziellen Angelegenheiten?

Wir waren als Familie einmal an einem Engpass. Wegen unserer Kinder brauchten wir ein grösseres Auto, doch wir hatten das Geld nicht dazu. Wir fragten Gott, was wir machen sollten. Er antwortete uns in unserer Bibellese: "Gebt, so wird euch gegeben werden ..." Das war höhere Mathematik!

Wir hätten gedacht: Jetzt müssen wir erst einmal kürzer treten mit dem Geben, Gott wird das ja verstehen. Und wenn das Auto bezahlt ist, können wir auch wieder mehr geben. Doch Gott sagte: "Gebt, so wird euch gegeben werden." Die Probe ließ nicht lange auf sich warten. Wenige Tage später war ein Missionar aus Indien in der Gemeinde. Bei der Kollekte kämpfte ich mit mir: Soll ich den Schein hinein legen oder die Münze? Ich nahm den Schein, unser letztes Geld für den Monat, und legte es mit dem Seufzer ein: "Herr, du weißt, dass wir dringend Geld brauchen!"

Als wir abends zu Hause saßen, klapperte der Briefkasten. Darin lag ein Umschlag mit dem 10-fachen Betrag! Gott hat uns geholfen, das Auto zu kaufen, ohne einen Kredit aufzunehmen. Aber nicht durch weniger Geben, sondern durch großzügiges Geben. Gottes Wege sind so anders. Doch sie führen uns letztlich zum Glück. Darum sagt uns Gott mit dem Wort des Propheten Jeremia: "Folgt nicht andern Göttern, ihnen zu dienen und sie anzubeten, damit ich euch nicht Unheil zufügen muss."

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