Ist mein Arm nun so kurz geworden, dass er nicht mehr erlösen kann?
Jesaja 50,2
Jesaja 50,2
Vielleicht haben Sie auch schon einmal gedacht: Ja früher, da hat Gott geholfen, da gab es Wunder und Zeichen für seine Größe. Aber heute? Gottes Arm ist zu kurz geworden.
Aber die Geschichte wiederholt sich. Das Volk Israel, das in der Gefangenschaft in Babylon saß, dachte genauso: Gottes Arm ist zu kurz geworden. Die Zerstörung unseres Landes hat er zugelassen. Wir sind hier gefangen, keine Aussicht auf Besserung. Gottes Arm ist zu kurz geworden. Er kann uns doch nicht mehr helfen.
Eine Familie in Deutschland wurde hart gebeutelt von ständigen Krankheiten. Das Ganze zog sich über Jahre hin. Als man endlich dachte, jetzt ist mal alles überstanden, kam wieder eine Hiobsbotschaft: „Es ist ein Schatten auf der Lunge!“ Eines der Kinder musste wieder in die Klinik, und die Angst ging wieder von vorne los. Und Gott? „Ach, sein Arm ist zu kurz geworden!“
Ein Mädchen war 8 Jahre alt, als der erste Weltkrieg ausbrach. Es war tief betroffen davon und betete inständig, Gott möge diesen Krieg stoppen. Es dürfe doch nicht sein, dass unschuldige Menschen wegen der Machtansprüche der Großen leiden müssen. Aber Gott griff nicht ein. Der Krieg ging weiter und verlangte seine Opfer. Da entschied das Mädchen in seiner Enttäuschung ganz bewusst: mit diesem Gott will ich nichts zu tun haben! Sie hat es ihr Leben lang durchgehalten. In ihrem 90. Lebensjahr war sie auf einen Rollstuhl angewiesen und klagte: „Warum darf ich nicht sterben? Warum diese Strafe?“ Irgendwann wurde sie von ihrer Freundin gefragt: „Sag mal, glaubst du wirklich, dass Gott dich straft, weil du dich von ihm losgesagt hast?“ Das beantwortete sie nicht, aber nach einer langen Stille sagte sie: „Ich habe immer gedacht, ich weiß selber, was recht ist. Ich wollte klüger sein als Gott. Aber jetzt ist es zu spät.“ Da sagte die Freundin: „Gott stößt keinen zurück, der zu ihm kommt.“ Das wollte sie immer wieder hören: Gott stößt keinen zurück, der zu ihm kommt.
Vielmehr liebt es Gott, wenn ein Mensch zu ihm kommt. Nur ist es oft gerade andersherum, und genau das meint Jesaja: Gott kommt, aber der Mensch ist nicht da! In Deutschland singt man lieber das Lied: „Augen zu und durch. Du schaffst es.“ Glaube an dich und die Kräfte in dir. Gott kann doch nicht helfen.
Aber Gott fragt: „Ist mein Arm so kurz geworden, dass er nicht mehr erlösen kann?“ Nein, an Gott liegt es nicht. Es liegt am Menschen, wenn er Gottes Stimme nicht mehr vernimmt.
Wie ist es denn heute unter uns? Ein Mann wurde gefragt, warum er Angst vorm Fliegen habe. Es fliegen doch Millionen. Da soll er gesagt haben: „Da bin ich zu sehr in Gottes Hand.“ In Gottes Hand möchte er ja gerne sein, aber nicht zu sehr. Er will etwas zurückbehalten. Aber hat ein Fisch Angst vor zu viel Wasser? Hat ein Vogel Angst vor zuviel Luft? Haben wir Angst, ganz in der Hand Gottes zu sein? Ist denn sein Arm zu kurz geworden, um uns zu helfen und aus unseren Nöten zu erlösen?!

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