06.01.2008

Jesus spricht: Wer mich sieht, der sieht den Vater.

Jesus spricht: Wer mich sieht, der sieht den Vater.
Johannes 14,9
Es ist nach dem sonntäglichen Gottesdienst. Ich habe über den Gekreuzigten und Auferstandenen gepredigt. Nun sitze ich am Tisch der großen Bauernfamilie. Mir gegenüber der Großvater. Eine Respektsperson. Er ist still. Unvermittelt bricht es aus ihm heraus: "Warum gerade Jesus, nicht einfach Gott?"

Eine direkte Antwort auf diese Frage gibt uns das Leitwort zum heutigen Tag. Jesus sagt nämlich in Johannesevanelium Kapitel 14 Vers 9: "Wer mich sieht, der sieht den Vater."
An anderer Stelle bekräftigt er: "Ich und der Vater sind eins". Der Apostel Paulus sagt von Christus Jesus: "Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes". Nicht nur wesensähnlich sondern wesensgleich.

Wie ist das zu verstehen? Jesus erklärt in seiner Abschiedsrede den Jüngern, dass er nun weggehen werde, um ihnen Wohnungen vorzubereiten. Dann werde er wiederkommen, um sie zu sich zu holen. Das Reden ist für die Jünger unverständlich. Thomas spricht es aus: "Wir wissen nicht, wo du hingehst; wie sollen wir den Weg kennen?"
Da antwortet Jesus mit dem inhaltsschweren Wort: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich". Jesus will damit deutlich machen, dass wer ihn erkannt hat, hat auch den Vater erkannt.

Philippus scheint noch nicht begriffen zu haben und bittet: "Herr, zeige uns den Vater!" Genervt erwidert Jesus: "So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater!"

Ich bin dankbar, dass uns dieses Gespräch überliefert wurde. Denn Gott schauen zu können gehört zum tiefinnersten Sehnen des Menschen. Schon Mose bat darum, die Herrlichkeit Gottes sehen zu dürfen. Die Antwort darauf lautet: "Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, wenn er mich sieht".

Der unsichtbare Gott lässt sich nicht mit irgendeinem Beweismittel einfangen. Er lässt sich aber genau dort finden, wo das Brot des Lebens, das lebendige Wasser und die Auferstehung zu finden sind. Die erhellende Aussage lautet:
In Jesus Christus wird der unsichtbare Gott sichtbar.

Jesus vertritt mit seinem ganzen Wesen einen Gott, den wir annehmen oder ablehnen, lieben oder ignorieren können. Wenn ich immer noch Christ bin, dann bin ich es wegen Jesus. Er ist geistreich, ungezähmt, kreativ, nicht festlegbar, demütig – er hält forschenden Blicken und kritischen Fragen stand. Ihn – nur ihn will ich zum Gott und Vater haben. Martin Luther riet seinen Studenten, dem versteckten Gott zu entfliehen und zu Jesus zu eilen. Erst durch Jesus Christus erkennen wir Gott als Abba, als liebenden Vater.

Lasst uns deshalb nicht vergessen, was es Jesus gekostet hat, uns den direkten Zugang zu Gott zu ermöglichen: Sein Ganzopfer am Kreuz. Er ist das "Lamm, das geschlachtet ist, das würdig ist zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob". Amen.

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