Gedenkt des Vorigen, wie es von alters her war: Ich bin Gott und sonst keiner mehr, ein Gott, dem nichts gleicht.
Jesaja 46,9
Jesaja 46,9
Was würde der Enkel sagen, wenn die Großmutter ihm diesen Bibelvers aus Jesaja 46 sagte: „Gedenke des Vorigen, wie es von alters her war: Ich bin Gott und sonst keiner mehr, ein Gott, dem nichts gleicht“? „Schön, Oma, wenn das für dich so ist. Aber ich lebe heute und kann nichts mit rückwärts gewandten Traditionen anfangen.“ Sicher, bibelkundige und lebendige Christen wissen, dass dies ein Missverständnis ist. Es geht gar nicht um Orientierung an der Vergangenheit. Nicht, dass früher alles besser war. Nein, der Prophet erinnert das hoffnungslose Volk an die großen Taten Gottes, um ihnen Mut zu machen: Denkt doch daran, was Gott schon getan hat und wie einzigartig er ist!
Gerade im Alten Testament gibt es diesen Aufruf gegen die Vergesslichkeit häufig: Erinnert euch, gedenkt der großen Befreiungstaten eures Gottes! Solches geschichtliche Erinnern lässt staunen. Dieses Denken führt zum Danken. Die Psalmen zum Beispiel sind voll davon. Heute ist die Vergesslichkeit eher noch größer. Wie schnell vergessen wir die persönliche Hilfe Gottes. Wie kurz ist die Erinnerung an die Gnade Gottes für unser Volk. Wie bald sind Gebetserhörungen wieder aus unserem aktiven Gedächtnis verschwunden. Schade eigentlich! Wir verlieren damit eine wesentliche Quelle geistlicher Kraft.
Denn Gott ist zwar ewig und, wie das Bibelwort sagt, von alters her. Aber er ist keine Figur der Vergangenheit. Mit ihm verbundener Glaube kann nicht rückwärts gewandt sein. Im jüdisch-hebräischen Denken zieht Gott vor dem Volk Israel her. Die Wolkensäule am Tag und die Feuersäule bei Nacht waren dafür während der Wüstenwanderung sichtbare Zeichen. Unsere volkstümliche Vorstellung, Gott sei oben, ist irreführend. Am besten kann ich es im Anschluss an die biblischen Berichte so sagen: „Der Gott, der uns früher wunderbar gerettet und treu geführt hat, er geht uns voraus. Er hat gute Absichten mit seinem Volk.“ Genau dies war den Israeliten in der Gefangenschaft zweifelhaft geworden angesichts der scheinbaren Übermacht der babylonischen Götzen. Ist unser Gott noch da, ist er lebendig? Und wenn, ist er noch für uns da? Oder haben wir durch die Schuld unseres Abfalls von ihm alles verspielt? Die Antwort steht in Vers 4 von Jesaja 46: „Bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten.“
Hoffnung für die Zukunft ist also nicht zuerst abhängig von unserem Selbstbewusstsein. Sondern auf unser Gottesbewusstsein kommt es an. Wir haben einen unvergleichlich mächtigen und beispiellos liebenden Gott. „Ich bin Gott und sonst keiner mehr, ein Gott, dem nichts gleicht.“ Das baut auf, mit diesem Gott verbunden zu sein! Das macht Mut, sich seiner Führung gewiss zu sein. Damals in der verzweifelten Lage der Israeliten, heute in Ihrer persönlichen Situation, wie immer die aussehen mag. Wir haben einen unvergleichlichen Gott, der helfen will!
Die Erinnerung an seine Taten ist keine Rückkehr zur Vergangenheit, sondern, so können wir mit Recht sagen, eine Rückkehr zur Zukunft. Das legt der folgende Vers 10 nahe, wo Gott durch den Propheten sagt: „Was ich beschlossen habe, geschieht, und alles, was ich mir vorgenommen habe, das tue ich auch.“ Der Retter der Vergangenheit ist auch der Herr der Zukunft.
Das ist wichtig für die Zukunft des christlichen Glaubens in einer Welt, die zunehmend von gottvergessener Beliebigkeit oder vom aggressiven Islamismus bedroht wird. Der Prophet ruft uns im Namen Gottes zu: Lasst euch nicht irritieren. Unser Gott war und ist und kommt. Er ist als Schutz hinter und über euch. Und er ist vor euch, also schon da, wo ihr hinkommt. Und ihr könnt ihn sogar als seine Friedensboten dort hin bringen, wo man noch nichts von ihm weiß oder ihn längst vergessen hat: zu den ungläubigen Kollegen, zu den muslimischen Nachbarn, zu den Leidenden und Verzweifelten in Krankenhäusern oder Gefängnissen, in eure Städte und Dörfer.

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